Vox Humana – The Singing Machine
Vox Humana – The Singing Machine
Das Projekt "Vox Humana“ stellt den vom Menschen erzeugten Klang in seiner elementaren Form, der Stimme, in den Mittelpunkt.
Eine große deutsche Zeitung bezeichnete vor einigen Monaten zwei Polizisten als musikalisch unbedarft, weil sie die Einsingübungen einer Sängerin als Schmerzensschrei identifizierten und ihr zur Hilfe eilten. Aus Sicht des geschulten Opernbesuchers haben wir es hier mit Banausentum zu tun. Diese „Verwechslung“ rückt jedoch den Operngesang, die artifiziellste Form menschlichen Ausdrucks, plötzlich in die Nähe spontaner, ursprünglicher, hochemotionaler Lautäußerung – und bringt ihn uns näher als so mancher Opernbesuch.
In genau dieses Spannungsfeld stellt das Künstlerteam um Regisseur und Komponist Leo Dick ihr Musiktheaterprojekt "Vox humana – The singing machine", wenn sie sich dem Operngesang als vertraute und doch befremdende menschliche Ausdrucksform annehmen. Was klingt einem ganz spontan und ohne Vorwissen eigentlich von der Opernbühne entgegen? Wo sind Schönheiten, die man als solche gar nicht mehr wahrnimmt? Was verbirgt sich hinter dem orphischen Mythos, der Sehnsucht nach der perfekten menschlichen Stimme? Wo liegen die Grenzen ihres Ausdrucksbereiches und wo trifft sich der Operngesang mit der spontanen menschlichen Lautäußerung?
"Vox Humana" ist eine "theatrale Versuchsanordnung", die den vom Menschen erzeugten Klang in seiner elementaren Form, der Stimme, in den Mittelpunkt stellt. Die Beschäftigung mit dem Gesang wird Ausgangpunkt einer Suche nach der perfekten menschlichen Stimme. Assoziativ werden verschiedene Themenbereiche und Mythen zum Thema Stimmerzeugung ausgeführt: Gegensatzpaare wie Kunst – Natur, Poesie – Perfektion, Mensch – Maschine bilden den Fundus szenisch-musikalischer Aktionen.
© Photo: Bühnenbildentwurf von Tassilo Tesche
Alles Szenische, Akustische und Visuelle wird miteinander verwoben und Teil einer musikalischen Struktur. In "Vox Humana" wird die Medialität des Musiktheaters zugunsten der strukturellen Auflösung seiner Grenzen erweitert: Die Trennung von Musiker und Sängerdarsteller, von Video und Text, von visueller und akustischer Bedeutungsebene wird aufgehoben. Klangerzeugung als performativer Akt wird zum Bestandteil der Gesamtperformance, die Stimme zum theatralen Ereignis. "Vox humana" eröffnet die Reihe OPERation X des Oldenburgischen Staatstheaters.
Das Produktions- und Darsteller-Team:
Vox Humana - The Singing MachinePremiere: 4. Juni 2009 in Oldenburg
Musikalische Leitung: Wilhelm Hofmann
Komposition, Inszenierung: Leo Dick
Text: Leo Dick und Tassilo Tesche
Bühne, Kostüme, Video: Tassilo Tesche
Elektroakustik: Marcel Saegesser
Dramaturgie: Katharina Ortmann
Mit: Tina-Maria Enckelmann, Anne Eversbusch, Sarah Papadopoulou, Silja Schindler, Nathalie Senf; Philipp Arndt, Wilhelm Hofmann, Sönke Klegin, Alexej Kosarev, René Schack, Volkmar Stickan, Andrey Valiguras