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Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?
Heimat – was bedeutet das?
Das Musiktheaterprojekt „Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?“ lotet mit experimentellen Gestaltungsmitteln die Modernität des weltbekannten „Heidi“-Stoffes aus.
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Johanna Spyris „Heidi“ – das sind schneebedeckte Berggipfel vor betörend blauem Himmel, meckernde Ziegen, die mit dem Geißenpeter bergauf ziehen, ein knorriger Großvater in seiner höhenluftumwehten Holzhütte, der im Grunde herzensgut ist, kurzum: Idylle pur. Doch wie so oft: Die Idylle trügt.
Heidi steht – nicht nur für Schweizer – für ein ungetrübtes Heimatbild und eine unbeschwerte Kindheit, in die sich wohl jeder manchmal zurücksehnt. Und doch bevölkert die beiden Heidi-Romane eine Reihe von Figuren, die äußerlich oder innerlich versehrt sind. „Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?“ macht sich auf die Suche nach dem verlorenen Heimatbegriff: Mit Alphörnern, Kuhglocken und weiteren einschlägigen Instrumenten befragt es die Romanfiguren nach dem Vakuum, das Heidi bei ihnen hinterlassen hat, dabei stets den Diskurs zwischen „wirklicher Heimat“ und ihren Klischees auslotend. Zugunsten einer frei assoziativen, quasi kompositorischen sprachlichen Gestaltung der Thematik wird auf eine lineare Nacherzählung des bekannten Romanstoffes verzichtet.
© Photo: Matthias Stutte
„Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?“ ist ein experimentelles Musiktheaterprojekt mit formalen Anknüpfungspunkten an die Traditionslinie des instrumentalen Theaters, wie es beispielsweise im Schaffen von Georges Aperghis oder Maurizio Kagel verkörpert wird. Hauptmerkmal dieser Stilrichtung ist die Aufhebung der in der Oper üblichen Unterscheidung zwischen begleitenden Musikern und darstellenden Singschauspielern – das Instrumentalspiel, bzw. der Akt der Klangerzeugung wird als performativer Akt ausgestellt. Anders als in anderen Ausprägungen des Genres legen die Initiatoren in Bielefeld Wert auf eine für den Zuschauer wahrnehmbare Bezugnahme auf eine konkrete Fabel, in diesem Fall die „Heidi“-Geschichte von Johanna Spyri.
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© Photo: Matthias Stutte
Aus Sicht der Akademie gab es ein interessantes personelles Zusammentreffen: Komponist und Regisseur des außergewöhnlichen Projekts ist Leo Dick, Stipendiat 2007-2009. Die Musikalische Leitung liegt bei Titus Engel, einem der Studenten, die die Vorgänger-Institution der Akademie Musiktheater heute in den 1990er Jahren zusammen mit Gérard Mortier in Salzburg initiiert haben.
Die Uraufführung des Werks war am 7. Juni 2008 in Bielefeld, die Stipendiaten der Akademie besuchten diese im Rahmen eines Workshops. Weitere Aufführungstermine in anderen Städten sind geplant. Die Produktion wurde vom nordrhein-westfälischen „Fonds Experimentelles Musiktheater“ unterstützt, einer Initiative des NRW KULTURsekretariats und der Kunststiftung NRW. Der Fonds fördert zeitgenössische Musiktheater-Produktionen, die das Wechselverhältnis von Sprache, Musik und Theater-Raum neu befragen und experimentell erkunden.
Das Produktions- und Darsteller-Team:
„Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat?“ Premiere: 7. Juni 2008 in Bielefeld Musikalische Leitung: Titus Engel Komposition, Inszenierung: Leo Dick Scenographie: Tassilo Tesche Libretto: Felizitas Ammann Dramaturgie: Jón Philipp von Linden, Thomas Witzmann Mit: Barbara Berger, Danielle Bonito Salès, Mathias Bühler, Titus Engel, Stefan Imholz, Annekatrin Klein, Martin Klein, Christín Mollnar, Daniele Pintaudi, Samuel Stoll, Swantje Tessmann, Helmuth Westhausser
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