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Le Nozze di Figaro 
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Für seine Regiearbeit „Le Nozze di Figaro“ kehrte Alexander Radulescu an seinen Geburtsort Bukarest zurück, wo er die besonderen Arbeitsbedingungen osteuropäischer Opernhäuser kennen lernte.
Eine außergewöhnliche Erfahrung war für Alexander Radulescu seine Inszenierung des „Figaro“ an der Nationaloper in Bukarest: Bei der Arbeit mit jungen Sängern aus sechs Nationen mussten nicht nur Sprach- und Kulturgrenzen, sondern auch viele organisatorische Hürden überwunden werden.
Unterstützt wurde die Produktion durch CEE Musiktheater, eine von der Deutsche Bank Stiftung und dem österreichischen Staatssekretariat für Kunst und Medien begründete Initiative zur Förderung des Musiktheaters im zentral- und osteuropäischen Raum. Die Premiere war im Dezember 2006. Radulescu berichtet von seinen Erfahrungen:

„Für uns alle, die Gesangs-Stipendiaten von CEE Musiktheater und für mich, war diese Produktion eine einmalige Erfahrung. Schon die Vorbereitung für ‚Le Nozze di Figaro’ machte deutlich, dass hier auf sehr hohem Niveau versucht wird, jungen Künstlern die Möglichkeit zu geben, mit erfahrenen Profis gemeinsam eines der gängigsten Opernwerke auf spannende Weise neu zu entdecken. Im Juli 2006 trafen wir uns für zwei Wochen in der Nähe von Wien, dort arbeiteten die jungen Sänger zusammen mit dem Dirigenten David Crescenzi und dem Kammersänger Bernd Weikl an den Partien. Ende Oktober trafen wir alle uns in Bukarest wieder, um nun konkret die Szenen zu proben.

„Le Nozze di Figaro“ in Bukarest: Laura Tatulescu (Susanna) und Simonida Lutescu (Gräfin)
© Photo: Nationaloper Bukarest
Die Sänger kamen aus sechs osteuropäischen Ländern: aus Albanien, Bulgarien, Kroatien, Moldawien, Rumänien und Serbien. Trotz aller babylonischer Sprachverwirrung lief die Verständigung sehr unproblematisch. Neben Englisch wurde Rumänisch (das ich eigens für diese Produktion gelernt habe), Italienisch und auch ein wenig Deutsch gesprochen, und dies nicht selten gleichzeitig!

Doch die Sprachhürden waren das geringste Problem bei diesem Ausnahmeprojekt: Angefangen bei den Visa, die einzelne Sänger benötigten, die dann nicht rechtzeitig vorlagen, so dass die Sänger nicht pünktlich anreisen konnten, bis hin zu Ausfällen von Sängern wegen Krankheit bzw. eines Unfalls auf der Bühne, gab es doch so manches organisatorische Problem, mit dem wir zu kämpfen hatten. Ich denke, das lag an der grundsätzlich anderen Arbeitsweise in osteuropäischen Opernhäusern und in Rumänien vielleicht im Besonderen.

 
Bei der Probenarbeit
© Photo: Nationaloper Bukarest
Schließlich ist die Opern-Tradition in diesen Ländern noch sehr dem bei uns mittlerweile verpönten Ausstattungs- und Steh-Theater verpflichtet. Es kommt hier nicht auf geistige Durchdringung eines Werkes an, sondern auf eine oberflächliche ‚Schönheit’, die mehr blendet, als dass sie wirklich berührt. Das klingt möglicherweise westlich arrogant, beschreibt jedoch meiner Meinung nach nur den Zustand, in dem diese Häuser stecken (von den Sängern konnte ich erfahren, dass diese Tradition nicht nur in Rumänien vorherrscht).

Die Zuschauer möchten gerne etwas Neues, etwas Anderes sehen und hören, als zum tausendsten Mal Aida als Schaufensterpuppe im goldenen Morgenmantel. Dies war zu spüren, als wir mit unserer Arbeit in Bukarest anfingen. Schon nach einer Woche kursierten Gerüchte im Opernhaus – von  Skandalinszenierung und von unmöglichen Anforderungen an die Sänger. Doch wer dann bei den Proben dabei war oder sich die Inszenierung am Ende angesehen hat, konnte feststellen, dass es uns gar nicht um Provokation und Skandal ging, sondern dass wir alle versucht haben, das Stück und die einzelnen Figuren ernst zu nehmen und all ihre Sehnsüchte und Wünsche in Bilder umzusetzen.

Eriona Gjyzeli (Barbarina) und Chor
© Photo: Nationaloper Bukarest
Während meiner Zeit als Stipendiat der Akademie Musiktheater heute haben wir oft Diskussionen über genau dieses Thema geführt, nämlich wie ‚originalgetreu’ eine Inszenierung zu sein hat und wie modern sie sein muss. Diese Diskussionen im Hinterkopf, fällt es mir heute viel leichter, mich vor vermeintlichen und echten Traditionalisten zu rechtfertigen. Denn schließlich ist das immer unser aller Bestreben in der Akademie gewesen: zu zeigen, dass Oper keine ewig wiederholte Begräbnisveranstaltung ist, sondern ein immer neu zu erfahrendes Stück Menschheitsgeschichte.“
 
Alexander Radulescu, Februar 2007
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